Süßkirsche · Prunus avium Archiv 64jzr50bnr ↗ Verlauf
Tafelobst Wirtschaftsobst Dörrobst Brennobst
Synonyme: Große frühe Maiherzkirsche
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Der Baum wächst nach heutiger Bewertung des Erhalternetzwerks Obstsortenvielfalt mittelstark und bildet eine hochkugelige Krone; die Leitäste setzen steil an, die Verzweigung ist locker, mit leichter Neigung zum Verkahlen. Die Belaubung ist mittelgrün bis leicht gräulich-grün, die Blüte erscheint vergleichsweise früh – noch vor dem Blattaustrieb – und ist eher klein. Die Sorte gilt als wenig anspruchsvoll, gedeiht aber am besten in warmer, geschützter Lage; der historische Sortentext von etwa 1930 nennt zusätzlich einen milden Boden. Derselbe Text schildert den Wuchs erheblich kräftiger („wächst sehr stark", „sehr grosse, hohe Kronen") und den Ertrag als außerordentlich reich, während die moderne Beschreibung mit mittelstarkem Wuchs deutlich zurückhaltender ausfällt – zwischen alter und neuer Quelle bestehen hier merkliche Unterschiede. Wegen ihrer extrem frühen Reife sind die Früchte meist stark von Vogelfraß betroffen und müssen gegen Vögel geschützt werden; für den Anbau werden heute größerfrüchtige Frühsorten wie Burlat oder Kassins Frühe Herzkirsche vorgezogen, die Sorte soll jedoch als historische Besonderheit und züchterisch wegen ihrer extremen Frühreife in Sammlungen erhalten bleiben.
Die Früchte reifen außerordentlich früh, in der ersten Kirschwoche, etwa zeitgleich mit „Früheste der Mark"; der Text von 1930 gibt die Reifezeit mit Anfang Juni an. Das weiche, rötliche und kaum färbende Fruchtfleisch ist saftig, säuerlich und nur schwach aromatisch; sein Aroma entwickelt sich erst bei voller Ausreifung, sodass die kleinen Früchte möglichst vollständig reif geerntet werden sollten. Nach heutiger Einschätzung kommt die Sorte allenfalls für die Selbstversorgung in Frage; die Deutsche Genbank Obst nennt Tafel- und Wirtschaftsobst als Verwendung. Der historische Text von 1930 urteilt deutlich wohlwollender und empfahl die schmackhafte Frühsorte für den Markt, zum Dörren, zur Saftbereitung und – bei großen Massen – für Brennereien.
Die Frucht ist klein bis mittelgroß, länglich bis oval und eher flach (in der Seitenansicht schmal), teils herzförmig und mitunter ungleichhälftig; die Haut glänzt und ist vollreif dunkelrot, nach der Beschreibung von 1930 wird sie später fast schwarz. Die Stielgrube ist mittelweit und mitteltief und zur Bauchseite nicht eingesenkt („flache Schultern"), die Bauchnaht verläuft teilweise auf einem schmalen Wulst; der für die kleine Frucht relativ große Stempelpunkt sitzt auf oder liegt in einem kleinen Grübchen. Die Stiele sind lang und dünn, mit einem verhältnismäßig großen „Teller" am Fruchtansatz. Es handelt sich um eine sehr alte Sorte unbekannter Herkunft, die schon vor 1800 in Mitteleuropa verbreitet war und von Kraft (1792), Christ (1802) und Truchsess (1819) beschrieben wurde; im 19. Jahrhundert noch verbreitet, ging ihr Bestand im 20. Jahrhundert stark zurück, sie galt zeitweise als verschollen und findet sich im Streuobst heute nur noch äußerst selten. Eine Erhaltungspflanzung besteht in der Kirschen-Genbank in Hagen a. T. W.; in Reisermuttergärten ist die Sorte nicht erhältlich. Namengeschichtlich ist zu beachten, dass die Deutsche Genbank Obst und das Erhalternetzwerk „Frühe Maikirsche" als Synonym der „Frühen Maiherzkirsche" (auch „Große frühe Maiherzkirsche") führen, während ältere Werke wie Truchsess (1819) und Dittrich (1837) beide Namen noch als getrennte Sorten aufführten und Dochnahl „Frühe Maikirsche" zudem als Beinamen der Rosenroten Maikirsche gebrauchte. Als neuere Grundlage nennt das Porträt des Erhalternetzwerks Braun-Lüllemann/Bannier (2010): Obstsortenwerk Alte Süßkirschensorten.
Quellen: Frühe Maikirsche – historischer Sortentext (Unsere besten Deutschen Obstsorten, ca. 1930)
Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (stealth/ox-alpha + stealth/ox-alpha, 2026-08-23). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.
War im Bergischen Land verbreitet