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Tulpenapfel

Apfel · Malus domestica

Herkunft
Bergisches Land, Rheinland
Wüchsigkeit
mittel bis stark
Gefährdung
stark gefährdet
Ernte
Anfang Oktober – Mitte Oktober (10A-10C)
Blüte
extrem spät
Genussreife
1. Dezember – 31. Januar (12A-01E)
Wikidata
Q2459545

Wirtschaftsobst Mostobst

Synonyme: Freiherr von Trauttenberg

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Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Der Tulpenapfel ist eine rheinische Lokalsorte, deren auffälligstes Merkmal am Baum die extrem späte Blüte ist: Sie liegt nach Sorten wie Rheinischer Winterrambur, Luxemburger Triumph oder Roter Bellefleur, weshalb der Baum von Spätfrösten seltener getroffen wird; schon Kreisobstbauinspektor Alfred Bartl vermerkte 1955 für die bergischen Hochstämme „sehr spät blühend“. Der Wuchs ist mittelstark bis stark, die Krone wird mittelgroß bis groß und pyramidal, mit aufrecht wachsenden Seitenästen, die unter Fruchtbehang außen abkippen; das Laub ist von mittlerer Größe. Gesundheitlich gilt die Sorte als krebsfest und insgesamt robust, ist jedoch etwas anfällig für Schorf, weshalb eingeschlossene, schlecht durchlüftete Standorte gemieden werden sollten. Ihr besonderer Wert liegt in der Anspruchslosigkeit: Sie kann auch bei schwierigen Standortverhältnissen – auf schweren oder staunassen Böden sowie in spätfrostgefährdeten Lagen – gepflanzt werden, wo andere Sorten versagen. Entsprechend wird sie als typische Streuobstsorte für Hochstamm-Streuobstwiesen eingestuft und vom Koordinierungsausschuss Obstwiesenschutz NRW als Streuobst-Anbausorte empfohlen. Zu Ertragsverhalten (Ertragseintritt, Regelmäßigkeit/Alternanz), zu Befruchtungsverhältnissen, zur Lebensdauer und zur Eignung als Straßenbaum liegen in den eingesehenen Quellen keine Angaben vor; auch Angaben zur Höhenlage fehlen, die belegte Verbreitung reicht aber vom Westerwald über den Rhein-Sieg-Kreis bis in das Bergische Land.

Geschmacklich ist der Tulpenapfel ein Wirtschafts- und Mostapfel, kein feines Tafelobst: Das Fruchtfleisch ist fest, mäßig saftig und nur gering aromatisch, der Geschmack wird als sauer-süß und zusammenziehend, dabei aber nicht unangenehm beschrieben; in der Verkostungsbewertung des Bergischen Streuobstwiesenvereins (Skala 1 = sehr gut) erhält er 3–4. Genutzt wird er als Wirtschaftsapfel und zum Mosten. Die Pflückreife liegt etwa Anfang bis Mitte Oktober (nach der Reifetabelle des Bergischen Streuobstwiesenvereins ca. 27.09.–10.10.), auf dem Lager halten die Früchte etwa zwei bis drei Monate, also bis Dezember/Januar.

Die Frucht ist mittelgroß bis groß und typisch spitz-kegelförmig, zum Kelch konisch verjüngt; im Querschnitt erscheint sie häufig auffallend dreieckig, manchmal fünfkantig. Die Grundfarbe ist bei Pflückreife grünlich-gelb, bei Genussreife kräftig gelb, die Deckfarbe nur sonnenseitig orangerötlich gehaucht auf höchstens einem Drittel der Frucht, oft ganz fehlend. Der Stiel ist kurz bis sehr kurz, teils nur knopfartig und nicht aus der Stielgrube herausragend; die Kelchhöhle ist kurz, dreieckig bis trichter- oder becherförmig, das Kernhaus typisch klein und stielnah, die Kernhauswände ohrenförmig und glatt. Über die Herkunft ist nichts bekannt; die Sorte ist offenbar in der pomologischen Literatur der letzten beiden Jahrhunderte nie beschrieben worden – der „Tulpenapfel“ bei Dittrich (1839) bzw. in der „Monatsschrift für praktischen Obstbau“ (1857) sowie „Tulpenkalvill“ und „Tulpencardinal“ betreffen andere Sorten. Belegt ist die Sorte über Anbauempfehlungen: 1915 im „Rheinischen Anbausortiment“ für die Kreise Solingen, Lennep, Wipperfürth, Gummersbach und Waldbröl sowie Neuwied und Altenkirchen, 1949 im Obstsorten-Verzeichnis der Landwirtschaftskammer Rheinland-Hessen-Nassau als lokale Zusatzsorte für den Kreis Altenkirchen und in den 1950er Jahren bei Bartl. Wichtig für die Sortenansprache: Die in älteren Listen (Landwirtschaftskammer Bonn, Reisermuttergarten Bonn) und seit Hesselmann (1901) verbreitete Gleichsetzung mit „Freiherr von Trauttenberg“ bzw. „Apfel aus Halder“ ist nach heutiger pomologischer Beurteilung unzutreffend – der rheinische Tulpenapfel unterscheidet sich von beiden eindeutig durch die extrem späte Blüte und das auffallend kleine, stielnahe Kernhaus; als Verwechsler gelten außerdem Weißer Winterglockenapfel und Lütticher Ananaskalvill. Die Sorte ist im rechtsrheinischen Rheinland noch recht verbreitet, in Baumschulen aber kaum erhältlich (kleine Stückzahlen vermehrt der Rheinisch-Bergische Naturschutz-Verein, Overath) und wird als stark gefährdet geführt. Grundlage dieser Beschreibung sind das Sortenporträt von Hans-Joachim Bannier (obstsortenerhalt.de) und die Kurzbeschreibung/Verkostung von H.-J. Bannier und Rolf Meyer beim Bergischen Streuobstwiesenverein.

Quellen: Tulpenapfel – Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt (Sortenporträt H.-J. Bannier) · Tulpenapfel – Bergischer Streuobstwiesenverein · Tulpenapfel – Obstsortenflyer, Biologische Stationen im Rheinland (LVR) · Tulpenapfel – Wikipedia (de) · Tulpenapfel – Wikidata (Q2459545) · Tulpenapfel – BUND Lemgo, Obstsortendatenbank (Sortenseite) · Tulpenapfel – luthers-apfelbaum.de (Sortenblatt-PDF) · Tulpenapfel – LOREOS, Lokale und regionale Obstsorten · Tulpenapfel – Heimat- und Verschönerungsverein Wiederstein · Streuobst-Sortenempfehlungsliste für Rheinland-Pfalz (NABU RLP, 2018) · Oberbergischer Kreis – Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt · Apfelbaum Tulpenapfel – biobaumversand.de (geringe Verlässlichkeit) · Herbstapfel 'Tulpenapfel', 'Freiherr von Trauttenberg' – Baumschule Horstmann (geringe Verlässlichkeit) · Tulpenapfel – biologie-seite.de (Wikipedia-Spiegel) (geringe Verlässlichkeit)

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (claude-opus-5 + claude-haiku-4-5, 2026-07-28). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

Kommt auch mit feuchten Böden zurecht; krebsfest. Etwas anfällig für Schorf, deswegen Durchlüftung wichtig.

In der Literatur

Baum starkwüchsig mit aufrechter Krone, sehr spätblühend (frosthart), Frucht gelb, schwach gerötet und hoch gebaut, alte Regionalsorte des Rheinlandes und Westerwaldes.

Gute Fruchtbarkeit in jungen Jahren. Sorgt für regelmäßige Ernten.  Die Frucht reift früh und hat ein schönes Aussehen. Frischer, süßer und saurer Geschmack. Dieser Apfel sollte schnell gegessen werden, hat eine schlechte Haltbarkeit und sollte vorzugsweise früh am Morgen gepflückt werden, wenn er kühl ist. Pflücke den Apfel für einen guten Geschmack, wenn er fällt, ist die Frucht schnell mehlig. Geeignet für gute und für sandige Boden. (aatree)

Weblinks

Auch bei: Bergischer Streuobstwiesenverein · Wikipedia (de)

Dokumentierte Bäume (treedoc) 3

Baumtreedoc-IDBongertPositionPflanzjahrKarte
408 7wwws Streuobstplantage Gartenfeld 2025 Karte
123 QWR82bT Streuobstplantage Spechtsberg K09 2024 Karte
148 JNWlPxo Streuobstplantage Spechtsberg G08 2025 Karte

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13034283273 Tulpenapfel Malus domestica 50.89638, 7.09933

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