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Rheinisches Seidenhemdchen

Apfel · Malus domestica

Herkunft
Raum Aachen
Seit
1900
Wüchsigkeit
stark
Wuchsform
hochkugelig bis hochpyramidal
Gefährdung
gefährdet
Ernte
Anfang Oktober – Mitte Oktober (10A-10C)
Blüte
mittelfrüh
Genussreife
Anfang Oktober – Ende Januar (10A-01E)
Wikidata
Q140700913

Tafelobst Wirtschaftsobst

#StreuobstsorteDesJahres

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Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Der Baum des Rheinischen Seidenhemdchens wächst nach der Sortenbeschreibung von Hans-Joachim Bannier in der Jugend mittelstark und dünntriebig, bildet später jedoch große, hochkugelige bis hochpyramidale Kronen mit steilen Leitästen, dichter feiner Verzweigung und außen überhängenden Fruchtästen; in der Kurzcharakteristik des Bergischen Streuobstwiesenvereins wird der Baum als starkwüchsig und robust gegenüber Krankheiten bezeichnet. Die Sorte trägt reich, allerdings ausgeprägt alternierend zwischen hohem und niedrigem oder ganz aussetzendem Ertrag. Die Blüte liegt mittelfrüh; das Blatt ist auffallend klein und dunkel- bis graugrün, die Jahrestriebe sind dünn bis mitteldick und hellgrau bis rötlich-grau. Sie gilt als typische Streuobstsorte und wird vom Koordinierungsausschuss Obstwiesenschutz NRW als Streuobst-Anbausorte empfohlen; alte Bäume stehen im Raum Aachen regelmäßig in Obstwiesen und Hausgärten. Konkrete pomologische Angaben zu Boden-, Klima- und Höhenlagenansprüchen, zu Befruchtersorten und zur Lebensdauer fehlen in den fachlichen Quellen; die in Baumschulkatalogen verbreiteten Angaben zu Frosthärte, Eignung über 400 m Höhe und Widerstandsfähigkeit gegen Schorf, Mehltau und Obstbaumkrebs sind pomologisch nicht belegt und daher mit Vorbehalt zu lesen.

Geschmacklich ist das Rheinische Seidenhemdchen süßsäuerlich ohne ausgeprägtes Aroma; frisch vom Baum ist es ein milder, süßsäuerlicher Tafelapfel, heute werden die Früchte aber überwiegend als Mostapfel und als Wirtschaftsapfel für die Küche genutzt (nach NABU Heinsberg auch für Apfelsaft und Apfelmus). Eine Verkostungsnotiz des Bergischen Streuobstwiesenvereins vermerkt einen Geschmack nach süßen Erdbeeren bei insgesamt mittlerer Geschmacksbewertung. Die Pflückreife liegt etwa Anfang bis Mitte Oktober (BSOWV: 1.–14. Oktober), genussreif bleiben die Früchte bis etwa Januar, die Lagerfähigkeit wird mit rund drei Monaten angegeben. Anfangs ist das Fleisch fest und „knackend“, wird gegen November/Dezember hin jedoch mürbe.

Die Frucht ist mittelgroß, typisch kegelförmig bis spitzkegelförmig und zum Kelch deutlich verjüngt; die Deckfarbe reicht von kräftigem Rot und Rosa bis dunkel- oder blutrot, teils bräunlich, bei starker Färbung flächig verwaschen-streifig, bei schwächerer marmoriert bis streifig, häufig mit breiten, schimärenartig abgesetzten Streifen. Schalenpunkte sind klein, berostet oder hell und in den Farbübergängen teils rötlich umhöft; die Kelchgrube ist flach bis mitteltief, eng bis mittelweit und innen oft rot gefärbt, der Stiel kurz, dünn bis mitteldick, teils knopfartig-fleischig und nicht aus der Stielgrube herausragend. Das Kernhaus liegt typisch stielnah mit rucksackförmigen Wänden; das Fruchtfleisch ist grünlich-gelblichweiß, fest, mittelfein- bis etwas grobzellig, wenig verbräunend, von mittlerem Saftgehalt. Die genaue Herkunft ist unbekannt; einer Notiz in der „Rheinischen Monatsschrift für Obst-, Garten- und Gemüsebau“ 1915 zufolge gelangte die Sorte bereits um 1900 aus dem Raum Aachen ins Bergische Land, 1943 wird sie in derselben Zeitschrift als „Rotes Seidenhemdchen“ unter den rheinischen Gebietssorten als Massenträger genannt. Mit dem von Sickler (1797–1804) und Dittrich (1839) beschriebenen „Roten Seidenhemdchen“ und erst recht mit dem bei Knoop (1763) und Oberdieck (1859) behandelten holländischen „echten“ oder „weißen“ Seidenhemdchen ist sie allem Anschein nach nicht identisch; wegen der großen Namensverwirrung (Sydenhämchen, Apfel aus Sydenham, Syden Hemdje u. a.) und weil die Sorte außerhalb des Rheinlands in Deutschland kaum vorkommt, wird sie als Rheinisches Seidenhemdchen geführt. Verbreitungsschwerpunkt ist der Raum Aachen, einzelne Altbäume finden sich links- wie rechtsrheinisch von den Kreisen Düren und Heinsberg über den Niederrhein bis in den Rhein-Sieg-, Rheinisch-Bergischen und Oberbergischen Kreis; auch das Sortenmuseum Doesburg (Niederlande) führt sie – dort als „Weißes Seidenhemdchen“. Verwechslersorten sind u. a. Gustavs Dauerapfel, Salome, Bäumchesapfel und Geheimrat Breuhahn. Die Sorte gilt als gefährdete Regionalsorte und wurde von der Landesgruppe NRW des Pomologen-Vereins zur NRW-Obstsorte des Jahres 2016 gewählt. Grundlage dieser Beschreibung sind vor allem das Sortenporträt von H.-J. Bannier (obstsortenerhalt.de), die Kurzbeschreibung des Bergischen Streuobstwiesenvereins (Bannier/Meyer) sowie Materialien des Pomologen-Vereins LG NRW und des NABU Heinsberg.

Quellen: Rheinisches Seidenhemdchen – Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt (obstsortenerhalt.de) · Rheinisches Seidenhemdchen – Bergischer Streuobstwiesenverein · Landesgruppe Nordrhein-Westfalen – Pomologen-Verein e.V. · Faltblatt NRW-Obstsorte des Jahres 2016 (PDF, Pomologen-Verein) · Rheinisches Seidenhemdchen – Obstsortenflyer, Biologische Stationen im Rheinland (LVR) · Lokale Obstsorten im Kreis Heinsberg – NABU Kreisverband Heinsberg · Rheinisches Seidenhemdchen – LOREOS, Lokale und regionale Obstsorten · Obst-Arboretum, Haus des Waldes Köln – Schutzgemeinschaft Deutscher Wald NRW · Apfelbaum Rheinisches Seidenhemdchen – biobaumversand.de (geringe Verlässlichkeit) · Apfel Rheinisches Seidenhemdchen Hochstamm – gartenwebshop.eu (geringe Verlässlichkeit)

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (claude-opus-5 + claude-haiku-4-5, 2026-08-04). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

War Streuobstsorte des Jahres NRW 2016. #StreuobstsorteDesJahres

Eigene Beobachtungen

Der Jugend sehr wüchsig. Kommt früh in den Ertrag.

In der Literatur

Sehr schön gefärbter, knackig, süßsäuerlicher Apfel für den späten Herbst und Winter. Der Apfel wurde vom Pomologen-Verein NRW zum Apfel des Jahres 2016 gekürt. (Carina Pfeffer)

Robust, reich tragend. Typische Streuobstsorte.

In der Jugend mittelstark wachsend, dünntriebig, bildet später jedoch große, hochkugelige oder hoch pyramidale Kronen mit steilen Leitästen, dichter feiner Verzweigung und außen überhängenden Fruchtästen. Die Sorte ist reich tragend, jedoch alternierend zwischen hohem und niedrigem Ertrag.

Die genaue Herkunft dieser heute in Teilen des Rheinlands vorkommenden Sorte ist unbekannt. Aus alten Fachzeitschriften geht hervor, dass sie um 1900 aus dem Raum Aachen ins Bergische Land gelangte. Sie wurde und wird teilweise heute noch als „Rotes Seidenhemdchen“ oder „Weißes Seiden- hemdchen“ sowie weiteren Namen verkauft. Da diese Bezeichnungen jedoch teils auch für andere Sorten verwendet werden, erscheint der Sortenname „Rheinisches Seidenhemdchen“ der einzig treffende und unverwechselbare zu sein. Ihren Verbreitungsschwerpunkt hat die Sorte heute noch im Raum Aachen, wo sie regelmäßig in Obstwiesen und Hausgärten anzutreffen ist. In mehreanderen Kreisen des Rheinlands sind Altbäume bekannt, jedoch handelt es sich meist um kleine Vorkommen. Außerhalb des Rheinlandes scheint die Sorte in Deutschland nur selten vorhanden zu sein. Frisch vom Baum ist die Sorte auch ein mild süß-säuerlicher Tafelapfel. Heute werden die Früchte des Rheinischen Seidenhemdchens jedoch überwiegend als Mostapfel sowie als Wirtschaftsobst für die Küche genutzt.

Standort und Anfälligkeit – Wächst sehr ge- sund, wenig Ansprüche an den Standort, frosthart und recht widerstandsfähig gegen Krankheiten. Auch in Lagen über 400 m Höhe gedeiht die Sorte gut. Wuchs – In der Jugend mittelstark wachsend, dünn­ triebig, bildet später jedoch große Kronen mit steilen Leitästen, dichter feiner Verzweigung und überhängenden Fruchtästen. Das Blatt ist auffallend klein. Ertrag und Reife – Reich tragend, jedoch alternierend zwischen hohem und niedrigem (oder aussetzendem) Ertrag. Genussreif bis etwa Januar. Anfangs fest und „knackend“, werden die Früchte

Weblinks

Auch bei: Bergischer Streuobstwiesenverein

Dokumentierte Bäume (treedoc) 2

Baumtreedoc-IDBongertPositionPflanzjahrKarte
595 YAozRTu Streuobstplantage Rommelshard E08 2025 Karte
073 OP2jZUv Streuobstplantage Spechtsberg E06 2024 Karte

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