Birne · Pyrus communis Archiv epyqz7tvbr ↗ Verlauf
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Madame Favre ist eine Birne mit mittelstarkem bis starkem Wuchs. Die historische Quelle „Nach der Arbeit“ (1935–1956) beschreibt hochkugelförmige Kronen mit viel kurzem Fruchtholz, während der auf Arche-Noah-Unterlagen beruhende Austria-Forum-Beitrag sehr starken Wuchs mit großer, hoch- bis schmalpyramidaler Krone angibt. Die Sorte gilt als wenig empfindlich und gesund: Kaum anfällig für Blatt-, Trieb- und Fruchtschorf, wenig anfällig für Birnengitterrost, die Belaubung leidet laut der historischen Quelle nur wenig unter Schädlingen; FRUCTUS stuft die Schorfanfälligkeit als schwach ein. Das Holz ist besonders winterhart — nach dem strengen Winter 1928/29 soll auch auf Quitte veredeltes Holz nicht gelitten haben. Die Blüte erscheint mittelfrüh bis mittelspät und ist etwas witterungsempfindlich; die Sorte ist diploid und damit ein guter Pollenspender, die Befruchtungsverhältnisse werden als unbekannt angegeben. Der Ertrag setzt sehr früh ein (nach der historischen Quelle bei Aufveredelung oft schon im Folgejahr) und ist hoch, regelmäßig bis alljährlich. Der Baum gedeiht sehr gut auf Quitte und ist für alle Baumformen geeignet, vom Hochstamm in guten Lagen bis zu kleinsten Zwergformen; auch zum Umpfropfen ist er gut geeignet, auf Sämlingsunterlage sind Hoch-, Halb- und Viertelstamm möglich, daneben Hecke und Spalier. Als Standort dienen klassische Birnenstandorte in warmen Lagen mit nährstoffreichen, tiefgründigen und ausreichend feuchten Böden; die volle Fruchtqualität erreicht die Sorte nur auf guten Birnenböden, auf kalten, schweren Böden werden die Früchte minderwertig. Der Anbau ist bis in Mittelgebirgslagen von etwa 300–350 m empfohlen, in höheren Lagen am Wandspalier; die Sorte eignet sich für Garten und Streuobstwiese. Bei der Windfestigkeit widersprechen sich die Quellen: Die historischen Texte bezeichnen die Früchte als (ziemlich) windfest, der Steckbrief des Bergischen Streuobstwiesenvereins stuft sie als nicht windfest ein und empfiehlt, vor der Baumreife zu ernten.
Das feinzellige Fleisch ist vollschmelzend, sehr saftig und süß, mit feiner, teils auch herber Säure und reichlicher, angenehmer Würze; nur von guten Standorten ist der Geschmack harmonisch, an ungeeigneten Standorten gerät er weniger ausgewogen. Madame Favre ist in erster Linie Tafelbirne, eignet sich aber auch für Kompott und Einkochen sowie nach FRUCTUS zum Dörren. Pflückreife ist Anfang September, Genussreife Anfang bis Mitte September; im Naturlager halten die Früchte zwei bis drei Wochen, im Kühllager sind sie bis November lagerfähig. In wärmeren Lagen Österreichs reift die Sorte deutlich früher (Pflückreife bereits vor Mitte bis in die zweite Augusthälfte, Haltbarkeit dort nur ein bis zwei Wochen, dann teigig) und wird dort als Sommerbirne geführt, während die deutschen Quellen sie als Herbstbirne behandeln.
Die Frucht ist mittelgroß, flachkugelig bis leicht kreiselförmig und steht; der 25–30 mm lange Stiel geht meist mit einem typischen Fleischknopf bzw. Fleischwulst in die Frucht über. Die Kelchgrube ist weit, der Kelch offen, mit ausgeschlagenen, lange grün bleibenden Kelchblättern. Die hellgrüne Schale hellt nach Hellgelb auf, eine Deckfarbe ist — wenn vorhanden — nur ein schwaches Orangerot bzw. rötlicher Anflug; das weiße, feine, saftreiche Fleisch ist ums Kernhaus etwas körnig, viele Kerne sind schlecht ausgebildet. Eine historische Beschreibung gibt die Frucht auch größer, rundlich-dickbauchig und beulig mit starkem Fleischwulst wieder, eine österreichische länger und kegelstumpfförmig. Die Sorte wurde von einem Herrn Favre, Präsident der Gartenbauabteilung der Landwirtschaftsgesellschaft von Chalon-sur-Saône, aus einem Kern von Hardenponts Butterbirne gezogen; Aussaat 1850, erste Früchte 1857, Prämierung 1860 in Dijon, ab 1863 Verbreitung durch die Baumschule Perrier in Sennecey-le-Grand. Der molekulargenetische Fingerprint bestätigt Hardenponts Butterbirne als Muttersorte. Unter dem Synonym Poire Souvenir Favre und in der Familie der Bergamotten geführt, hat sich die Sorte wohl überwiegend unter Liebhabern verbreitet; heute findet sie sich fast nur noch in Sammlungen und gilt als vom Aussterben bedroht. Ältere Literatur nennt das Erhalternetzwerk u. a.: Illustrirtes Handbuch der Obstkunde, Supplement-Birnen Nr. 682; Deutschlands Obstsorten, Lieferung 25 Nr. 297; Petzold, Birnensorten (1982). Die Darstellung beruht vor allem auf dem Sortenportrait des Erhalternetzwerks Obstsortenvielfalt (Jens Meyer, 2024), dem Steckbrief des Bergischen Streuobstwiesenvereins (Jan Bade/Rolf Meyer), dem FRUCTUS-Sorteneintrag und dem historischen Text aus „Nach der Arbeit“.
Quellen: Madame Favre – Farbtafel aus der Gartenzeitschrift "Nach der Arbeit" (1935–1956)
Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (anthropic/claude-opus-5 + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-08-24). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.