obstdoc / Dycker Schmalzbirne
Anmelden mit OSM

Dycker Schmalzbirne

Birne · Pyrus communis Archiv fhk6mqgqdc ↗ Verlauf

Die aus Schloss Dyck im Rheinland stammende Dycker Schmalzbirne ist seit 1800 bekannt und eine der lagerfähigsten Birnen: Nach acht bis vierzehn Tagen Lagerung wird das Fruchtfleisch schmelzend und genussreif, geerntet wird von Mitte September bis Anfang Oktober. Der Baum stellt hohe Ansprüche an Wärme und Standort, sein Holz ist brüchig und anfällig für Obstbaumkrebs.

Herkunft
Schloss Dyck, Rhein-Kreis Neuss (Rheinland)
Seit
1800
Wüchsigkeit
mittel
Wuchsform
hochkugelig
Gefährdung
stark gefährdet
Ernte
Mitte September – Anfang Oktober (09C-10A)
Genussreife
Mitte September – Anfang Oktober (09C-10A)
Wikidata
Q121463251
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte Genussreife

Tafelobst Wirtschaftsobst Dörrobst

Synonyme: Braune Schmalzbirne, Doppelte Wried, Griesbirne

Web-Suche: Wikipedia · Ecosia · DuckDuckGo · Mojeek

Dokumentierte Bäume (treedoc) 1

Baumtreedoc-IDBongertPositionPflanzjahrKarte
Kqa66xq Sortenerhaltungskultur Bergheimer Dreieck E09 2023 Karte

Weitere OSM-Bäume 0

Keine zusätzlichen OSM-Bäume dieser Sorte im Suchradius.

Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Der Baum wächst in der Jugend recht stark und bildet mittelgroße bis große, hochkugelige Kronen; als Wuchsstärke wird auch „mittelstark" angegeben. Er kann auch im Grasland gepflanzt werden. Die Sorte gilt als robust: Sie ist sehr widerstandsfähig gegen Schorf, und die meist gesunden Bäume erbringen gute Ernten; auf schweren Böden kann jedoch Obstbaumkrebs auftreten. Das Holz alter Bäume ist auffallend brüchig. An den Boden stellt sie wenig Ansprüche und ist breit anbaufähig, benötigt aber warme Lagen (Wärmeansprüche höher); der Anbau wird bis in Mittelgebirgslagen von etwa 350 m und unterhalb 400 m empfohlen. Die Blüte erscheint mittelfrüh, ist groß und robust gegenüber Witterungseinflüssen, weshalb der Baum seltener als andere Sorten mit dem Ertrag aussetzt. Die Fruchtbarkeit setzt relativ früh ein; der Ertrag setzt früh an und ist später hoch und regelmäßig (rund 750 kg je Baum sind belegt). Die Sorte eignet sich für Streuobst- und Wegepflanzungen und ist in der offiziellen NRW-Vorschlagsliste alter Streuobstsorten enthalten; im Gebiet zwischen Mönchengladbach, Neuss und Grevenbroich sind noch alte Bäume im Streuobst zu finden.

Die Frucht schmeckt sehr saftig, ohne ausgeprägte Süße und Säure, aber von eigentümlicher, sortenspezifischer Würze; das Fruchtfleisch schmilzt nach einigen Tagen Lagerung. Pflückreif (im harten Zustand) ist sie etwa Mitte September, kurz vor der Köstlichen aus Charneu; nach etwa 8 bis 14 Tagen Lagerung wird sie schmelzend und genussreif und ist dann nur einige Tage – im Reifezustand etwa eine Woche – haltbar (Lagerfähigkeit: zum Sofortgebrauch). Deshalb muss die Ernte zügig innerhalb von ein bis zwei Wochen verarbeitet werden. Die Dycker Schmalzbirne ist vor allem eine Wirtschaftsbirne: Die saftreiche Frucht ist eine wertvolle Wirtschaftsfrucht zum Einmachen (Einkochen) und Dörren sowie zur Saftgewinnung; zur Zeit der kurzen Genussreife ist sie geschmacklich durchaus auch als Tafelbirne anzusehen, wegen der begrenzten Lagerfähigkeit aber nur bedingt als Tafelobst geeignet.

Die Frucht ist mittelgroß bis groß, variabel birnen- oder kegelförmig-gedrungen, seltener flaschenförmig, im Querschnitt unregelmäßig rundlich und kelchseitig z.T. leicht kantig; fast die ganze Frucht trägt eine gleichmäßige Berostung, die am Baum düster grünlichbraun erscheint und einige Tage nach der Ernte typisch goldbronzefarben bis zimtbraun aufhellt, sonnenseits vereinzelt mit Anflug von Kupferröte. Die Schale ist feinrau, matt und trocken, bei Pflückreife fest und unempfindlich, nach einigen Tagen weich. Kelchgrube meist flach, variabel ebenmäßig oder etwas faltig, Kelch mittelgroß und halboffen; Stielgrube eng, flach, z.T. fehlend, Stiel sehr variabel, mittellang (auch lang oder kurz), mitteldick bis dick. Das Fruchtfleisch ist ziemlich hell, beige- bis fast weiß, um Kelchhöhle und Kernhaus etwas steinzellig; die Kerne sind meist zahlreich (z.T. taub), relativ groß (9–10 : 4 mm), kirschholzbraun und oft dunkelbraun gerandet. Verwechsler: Madame Verte (hält viel länger) und Gellerts Butterbirne, evtl. auch Gräling und Bosc's Flaschenbirne. – Die genaue Herkunft ist unbekannt. Nach Angaben des Hofgartendirektors Adam Schipper (1930er Jahre) wurde die Sorte in den Gartenanlagen von Schloss Dyck im heutigen Rhein-Kreis Neuss seit etwa 1800 als „Braune Schmalzbirne" kultiviert und von ihm später in Dycker Schmalzbirne umbenannt; sie gehörte vermutlich zu den Versuchspflanzungen des Fürsten Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck um 1800, der Edelreiser auch aus anderen Regionen Deutschlands sowie aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden bezog, sodass die Sorte wohl älteren, womöglich westlichen Ursprungs ist (der Mutterbaum stand noch bis etwa 1900; die Deutsche Genbank Obst vermerkt eine Erwähnung von 1790). Mit der gleichnamigen historischen Sorte „Braune Schmalzbirne" ist sie nicht identisch. Wegen ihrer hohen Erträge verbreitete sich die Sorte vom Schloss aus im Rheinland und war nach 1900 im Raum Grevenbroich zeitweise die meist angebaute Birnensorte; ihre Früchte fanden u.a. in Düsseldorf problemlos Absatz, und nach 1918 führte die enorme Nachfrage aus dem Ruhrgebiet zu großangelegten Umveredelungen anderer Birnbäume. Im östlichen Westfalen ist sie seit alters als Griesbirne bekannt, in Norddeutschland (Hamburg, Schleswig-Holstein) als Doppelte Wried. Noch bis in die 1960er Jahre wurde sie im Dycker Ländchen auf Wochenmärkten angeboten; um die Wende zum 21. Jahrhundert war sie bis auf drei von der Biologischen Station gefundene Altbäume fast verschwunden („stark gefährdet"). Aus diesen Bäumen wurde die Sorte wieder vermehrt – mehr als 75 junge Bäume wurden gepflanzt, darunter 2006 eine Allee aus 32 Exemplaren im Straberger Broich. – Die Beschreibung beruht vor allem auf dem Sortenporträt von H.-J. Bannier (Erhalternetzwerk obstsortenerhalt.de, 2015), dem LVR-Flyer „Regionale Obstsorten im Rheinland" (2013, mit Bannier) sowie den Angaben der Biologischen Station im Rhein-Kreis Neuss, des Bergischen Streuobstwiesenvereins und der Deutschen Genbank Obst.

Quellen: Dycker Schmalzbirne – Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt (Porträt von H.-J. Bannier) · Bergischer Streuobstwiesenverein – Dycker Schmalzbirne · Biologische Station im Rhein-Kreis Neuss – Dycker Schmalzbirne · Dycker Schmalzbirne – Wikipedia · Deutsche Genbank Obst – Sortenpass Dycker Schmalzbirne · LiKK e.V. – Dycker Schmalzbirne

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (z-ai/glm-5.3-flash + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-10-02). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

#Suchliste

Weblinks

Auch bei: Bergischer Streuobstwiesenverein · Wikipedia (de)

Bilder aus Wikipedia

File:Dycker Schmalzbirne Griesbirne.jpg
Bahnmoeller · CC BY-SA 3.0 · Commons
File:Infotafel am Obstwanderweg Knechtsteden 2023.jpg
Nicola · CC BY-SA 4.0 · Commons

Gefunden über das Wikidata-Objekt und die Wikipedia-Artikel. Die Bilder liegen bei Wikimedia Commons; Rechte und Bedingungen stehen auf der jeweiligen Dateiseite.