Birne · Pyrus communis Archiv h61896q6f0 ↗ Verlauf
Die Beggendorfer Mehlbirne ist eine Verarbeitungsbirne aus dem Raum Aachen, die Mitte August geerntet wird. Sie eignet sich besonders zum Dörren sowie für Birnenmus, das für den „Schwazze Flaa“ verwendet wurde, und bildet mächtige Kronen, die sehr alt werden können. Allerdings alterniert sie im Ertrag stark, und die breit ausladenden Äste kippen unter Fruchtbehang ab. Ihr mild säuerliches, saftiges Fleisch ist roh bekömmlich, für Most jedoch zu flach.
Wirtschaftsobst Mostobst Dörrobst
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Der Beggendorfer Mehlbirne wächst sehr stark und bildet mächtige, imposante Kronen, die sehr alt werden können. Neben dem Mittelstamm wachsen die Hauptseitenäste zunächst steil und kippen später unter Fruchtbehang stark ab, so dass sich eine breit ausladende, apfelbaumähnliche Krone mit außen überhängenden Seitenästen bildet. Die Sorte gilt als robust und langlebig; gute Böden werden bevorzugt. Die Blüte ist mittelspät. Erträge sind hoch und etwas alternierend. Die Sorte ist eine typische Streuobst- und Hochstammsorte, deren imposante Bäume besonders zur Blütezeit das Landschaftsbild prägen; als vermutlich triploide Sorte eignet sie sich auch als Befruchter für andere Birnensorten.
Die Pflückreife liegt etwa Mitte August; die sehr weichen Früchte sind nur wenige Tage haltbar und schon nach sehr kurzer Lagerung weich und nicht transportfest. Fruchtfleisch gelblich weiß, saftig, mild säuerlich, wird bald breiig. Die Beggendorfer Mehlbirne ist eine typische Wirtschaftsbirne, deren Früchte zur Verarbeitung aufgesammelt werden: sie wurde fast ausschließlich zum Dörren oder zur Herstellung von Birnenmus genutzt; das Mus diente zur Zubereitung des „Schwatze Flaa“, einer gebietstypischen Kuchenspezialität, die bei Beerdigungen zum anschließenden Kaffeetrinken gereicht wurde.
Die Frucht ist mittelgroß, birnenförmig, kelchbauchig, zum Stiel hin verjüngt, seitlich eingeschnürt, um den Kelch abgerundet; im Querschnitt fast rund, variabel auch kantig. Grundfarbe grün bis graugrün, bei Pflückreife weißlich gelb aufhellend; Deckfarbe orange bräunlich rot, gehaucht, auch etwas verwaschen-streifig über höchstens ein Drittel der Frucht, teils auch fehlend. Schalenpunkte zahlreich, klein, hell rostfarben oder grün, auf der Grundfarbe grün umhöft; teils einzelne deutlich abgegrenzte Berostungen. Kelcheinsenkung flach, mittelweit, Umgebung leicht uneben mit einseitig stärkerem Wulst, teils hellbraun fleckig berostet; Kelch offen, mittelgroß, ragt oft kronenähnlich über die Kelcheinsenkung hinaus; Kelchblättchen grauschwarz, teils verkümmert, teils erhalten, schmal. Stielgrube fehlend; Stiel markant, sitzt auf, im Ansatz fleischig verdickt, gelbgrün bis grün, mittellang, mitteldick bis dick, öfters gebogen, am Ende keulig verdickt, teils auf einseitig ansetzendem Fleischwulst aufsitzend oder von diesem etwas seitlich gedrückt. Kelchhöhle klein, abgerundet, ohne Röhre; Kernhaus kelchnah, mit kurz geöffneter, pelziger Achse; Samenfächer eng an der Achse anliegend (kelchseitig mit „Nase“); Kerne meist voll entwickelt, gut mittelgroß, 9:4 mm, unten zugespitzt, oben mit „Nase“, kastanienbraun.
Herkunft und Entstehungszeitpunkt der im Raum Aachen noch unter diesem Namen bekannten Birnensorte sind unbekannt; es dürfte sich um eine lokale Sorte handeln, die nach mündlicher Überlieferung in Beggendorf (Ortsteil der Stadt Baesweiler) und den umliegenden Gemeinden früher häufiger vorkam. Schriftliche Zeugnisse über die Sorte und ihre Historie konnten bislang nicht gefunden werden; bei den staatlich geförderten Rodungen hochstämmiger Obstbäume 1970–1973 findet sich die Sorte ausweislich der Dokumente der Landwirtschaftskammer für den Ort Baesweiler-Loverich auf der Rodungsliste. Der bekannt gewordene Baum in Floverich, einem Nachbarort Beggendorfs, dürfte rund einhundert Jahre oder älter sein und war der aktuell einzige noch bekannte Altbaum dieser Wirtschaftsbirne. Verwechsler sind die Köstliche von Charneux (Unterscheidung aufgrund der Reifezeit) und die Römische Schmalzbirne. Die Sorte gilt als vom Aussterben bedroht und wird als Regionalsorte des Erhalternetzwerks Obstsortenvielfalt erhalten. Die Beschreibung beruht auf dem Sortensteckbrief von Hans-Joachim Bannier, veröffentlicht vom LVR-Netzwerk Umwelt mit den Biologischen Stationen im Rheinland (Handbuch „Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland – vom Aussterben bedroht!“, 2010; 2. erw. Auflage „neu entdeckt!“, 2017) sowie auf dem LVR-Sortenflyer von 2013.
Quellen: Beggendorfer Mehlbirne · Regionale Obstsorten im Rheinland – Flyer Beggendorfer Mehlbirne (LVR-Netzwerk Umwelt, 2013) · H.-J. Bannier u. a.: Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland – neu entdeckt! 2. Aufl., Köln 2017 · Empfehlungsliste zur Pflanzung von Obst und Wildgehölzen für die Aachener Region (Biologische Station StädteRegion Aachen) · bs-aachen.de/de/projekte/lvr-lokale-obstsorten/ · Bundessortenamt – Liste aufgestellter Sorten (GLO_BRN_215.pdf) · LVR-Netzwerk Kulturlandschaft – Obstsortenliste (2. Aufl. 2017)
Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (z-ai/glm-5.3-flash + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-10-05). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.