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Weißer Wintertaffetapfel

Apfel · Malus domestica Archiv hgk30h15cc ↗ Verlauf

Der Weißer Wintertaffetapfel ist eine Apfelsorte, die heute vor allem in der Vermehrung eine Rolle spielt. Sie wird als Unterlage verwendet und eignet sich auch als Stammbildner, also zum Aufziehen der Stämme für veredelte Kronen. Über Frucht und Verwendung als Tafelapfel liegen keine Angaben vor.

Herkunft
unbekannt (sehr alte Sorte)
Seit
1797
Wüchsigkeit
mittel bis stark
Wuchsform
schleudernd, breit ausladend mit überhängendem Fruchtholz
Gefährdung
nicht mehr leicht erhältlich
Ernte
Mitte Oktober – Ende Oktober (10C-10E)
Blüte
mittelspät, kurz
Genussreife
Anfang Dezember – Ende April (12A-04E)
MaiJunJulAugSepOktNovDezJanFebMärApr
Ernte Genussreife

#stammbildner#unterlage

Synonyme: Weißer Taffetapfel

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Zusammenfassung der verfügbaren Literatur

Der Weiße Wintertaffetapfel wächst mittelstark bis stark und bildet eine große, breitgewölbte, dichte Krone. Sein Wuchs ist eigentümlich: Die Jahrestriebe laufen lang durch, nehmen aber trotz Rückschnitt kaum an Dicke zu und hängen früher oder später nach außen über, woraufhin auf den Astoberseiten neue Leitast-Fortsetzungen austreiben, während die Leitäste im Innern der Krone verkahlen. Ältere Bäume fallen dadurch durch „schleudernd“ wachsende, breit ausladende Kronen mit überhängendem Fruchtholz auf; fehlt die schnittliche Überwachung des Kronenaufbaus, kommt es leicht zu Astbruch – die Baumerziehung erfordert nach Hans-Joachim Bannier kreative Problemlösungen. Junge Bäume wachsen kräftig und beginnen aufrecht, bevor sich die Äste auseinanderlegen. Junge Triebe zeigen eine eigentümlich hellbraune Farbe, die Blätter oft rötliche Adern und Stiele. Das Holz gilt als frosthart, der Baum als sturmfest. Die Blüte erscheint spät bis mittelspät, verläuft kurz und ist etwas frostgefährdet; der historischen Beschreibung zufolge ist sie außerdem nässeempfindlich und wird außergewöhnlich stark vom Apfelblütenstecher befallen. Als diploide Sorte ist der Weiße Wintertaffetapfel ein guter Pollenbildner und benötigt keinen Befruchtungspartner. Der Ertrag setzt spät ein und fällt nach Bannier und dem Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee mittelhoch aus (die ältere Quelle bemerkt, er trage „nicht immer genügend“), während das Projekt „1000 Obstbäume“ ihn als regelmäßig und hoch bewertet. An Boden und Lage stellt die Sorte nur geringe bzw. mäßige Ansprüche und ist genügsam; wegen ihrer Anfälligkeit für Schorf und Obstbaumkrebs sollten allzu schwere Böden ebenso gemieden werden wie luftfeuchte, eingeschlossene oder waldnahe Lagen. In lufttrockenen Lagen eignet sie sich nach dem Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee für den Landschaftsbau, nach dem Frankenalb-Projekt besonders für raue Lagen und die Obstwiese. Wegen der weit ausladenden Krone taugt sie nicht für enge Pflanzweiten und nicht an Wegen; als Hoch- und Halbstamm kam sie nur für den landwirtschaftlichen Obstbau auf Wiesen und Feldern in Betracht. Eine bemerkenswerte Schwäche: Der Baum lässt sich kaum umveredeln – fremde Edelreiser wachsen allenfalls kurz an und gehen bald wieder ein.

Das feste, feinzellige Fruchtfleisch ist saftig und schmeckt süßsäuerlich bis süßweinig (am Bodensee „mildsäuerlich“), schwach aromatisch und „eigentümlich gewürzt“ bzw. parfümiert; am Lager reift es nach dem Kompetenzzentrum zu einem feinen Aroma heran. Die harte, wachsige Schale stört beim Verzehr, und die kleinfrüchtigen Äpfel sind druckempfindlich. Pflückreife ist Mitte bis Ende Oktober – vor Oktober sollte nicht gepflückt werden –, genussreif sind die Früchte ab November/Dezember; als Ende der Verwendungsreife geben die Quellen je nach Stand February, März oder April an. Bleiben die Früchte schorffrei, lagern sie sich gut. Die Sorte diente als Tafel-, Markt- und Wirtschaftsapfel für den Eigenbedarf und war einst am Wiener Markt als Essapfel sehr geschätzt; um 1900 wurde sie am Bodensee dagegen vorwiegend zur Mostbereitung genutzt.

Die Frucht ist klein (bis mittelgroß) und flachrund bis kugelförmig abgeplattet. Die glatte, mattglänzende, wachsige Schale zeigt eine weißlichgrüne, später weißlichgelbe, wachsartig weiße Grundfarbe; eine Deckfarbe fehlt meist, sonnenseits tritt gelegentlich ein rötlicher Hauch bis helles Rosarot auf. Charakteristisch sind ein Fleischwulst in der Stielgrube, der den kurzen, dünnen Stiel zur Seite drückt, eine gefaltet „geknautschte“, teils mit Fleischperlen besetzte Kelchgrube sowie ein kleines Kernhaus mit gut entwickelten, frisch kastanienbraunen Kernen. Die Herkunft der sehr alten Sorte liegt im Dunkeln: Bannier nennt eine Beschreibung von 1797 durch den Pomologen Christ, das Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee hingegen Diel als mutmaßlichen Erstbeschreiber. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Sorte in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie in Westeuropa verbreitet, teils unter Namen wie Wachsrenette, Glasapfel, Weißapfel, Spiegelapfel oder Kartäuser; die Deutsche Genbank Obst nennt für das 19. Jahrhundert zusätzlich Südtirol und Böhmen, und um 1900 zählte sie am Bodensee zu den verbreitetsten Sorten. Seit dem Zweiten Weltkrieg wird sie kaum noch gepflanzt und heute nur noch selten in alten Streuobstbeständen gefunden; das Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt stuft sie als gefährdet ein. Als Verwechsler gelten Champagnerrenette, Schöner aus Nordhausen und Spätblühender Taffetapfel. Die Beschreibung beruht im Wesentlichen auf dem Sortenporträt von Hans-Joachim Bannier (Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt), der historischen Obsttafel der Gartenzeitschrift „Nach der Arbeit“ (um 1935–1956), dem Datenblatt des Kompetenzzentrums Obstbau-Bodensee, der Deutschen Genbank Obst und dem Projekt „1000 Obstbäume für die Frankenalb“.

Quellen: Weißer Wintertaffetapfel · Weißer Winter-Taffetapfel – Obsttafel Nr. 150, Gartenzeitschrift „Nach der Arbeit“ · Passport / Sorte Weißer Wintertaffetapfel – Deutsche Genbank Obst · Weißer Wintertaffetapfel – Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee · Weißer Wintertaffetapfel

Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (anthropic/claude-opus-5 + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-08-24). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.

#unterlage #stammbildner