Birne · Pyrus communis Archiv k2x14ta2h4 ↗ Verlauf
"Andenken an den Kongreß" ist eine Birnensorte, deren Früchte durch ihre ungewöhnliche Größe und ausgesprochen freundliche Färbung auffallen, weshalb sie als Schaufrucht gilt. Der Ertrag setzt früh ein und fällt kaum alternierend aus. Im Geschmack überzeugt die Sorte dagegen nur mäßig; sie wird daher eher als Liebhabersorte eingestuft. Zudem eignet sie sich als Stammbildner.
#stammbildner
Synonyme: Souvenir du Congress
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Die Birne wächst mittelstark, aufrecht und mäßig verzweigt; in der Jugend bildet sie eine pyramidale Krone, später weichen die Äste unter der Last der großen Früchte auseinander. Als beste Baumform gilt der Niederstamm; Halb- und Hochstämme gelingen nur an windgeschützter Stelle, und Kleinformen auf Quitte sind ohne Zwischenveredlung (z. B. mit Gellerts Butterbirne) nicht genügend lebensfähig. Die mittelspäte, kurz blühende Sorte ist etwas frost- und witterungsempfindlich; ihr Pollen gilt als schlecht, als Befruchter werden u. a. Frühe aus Trevoux, Williams Christ, Clapps Liebling, Josefine von Mecheln und Köstliche aus Charneu genannt. Der Ertrag setzt früh ein, ist mittelhoch und fast regelmäßig; die Früchte hängen nicht windfest. Gegen Fruchtschorf ist sie nur gering bis mäßig anfällig — bei ungünstigen Bodenverhältnissen stärker —, dafür wird sie als anfällig für Triebschorf, Birnenpockenmilbe und Sonnenbrand beschrieben; ein sorgfältiger Aufbau- und Überwachungsschnitt wird empfohlen. Die Bodenansprüche sind nicht hoch, doch zur Ausschöpfung des Ertragspotenzials dienen nährstoffreiche, feuchte Böden. Empfohlen wird der Anbau auf wärmeren, windgeschützten Birnenstandorten mit Weinbauklima bis etwa 200–300 m Höhe, nach anderer Angabe bis in Mittelgebirgslagen um 350 m; auf warmen Standorten fällt die Fruchtgüte besser aus. Für Streuobstanlagen ist die Sorte gut geeignet, für den Hausgarten wegen der oft nicht besonders hohen Fruchtqualität weniger.
Geerntet wird Anfang bis Mitte September, unbedingt fünf bis acht Tage vor der Baumreife, sobald die ersten gesunden Früchte fallen; bei zu später Ernte werden die Früchte rasch teigig. Die Genussreife reicht von Mitte September bis Anfang Oktober. Das gelblichweiße Fleisch ist halbschmelzend, sehr saftreich und süß ohne merkliche Säure; das Aroma ist gering, vollständig ausgereifte Früchte zeigen einen ganz schwachen Muskatton, an ungeeigneten Standorten schmecken sie fad, mehlig bis rübig. Die Früchte halten sich nur kurz (kühl gelagert 8–12 Tage, nach anderer Angabe 2–4 Wochen im Naturlager) und sind für Frischverzehr und Haushalt bestimmt: als Tafelbirne, für Kompott und zum Einkochen. Für den Erwerbsanbau galt sie als ungeeignet, weil die Güte der Früchte zu gering war und es zur selben Zeit bessere Marktsorten gab.
Die Frucht ist mittelgroß bis groß, nach Arche-Noah-Angabe bis etwa 120 mm lang und 90 mm breit, kegel- bis birnförmig, klobig-unregelmäßig und stark beulig, mit sehr tief sitzendem Kelchbauch und stielwärts leicht eingezogen; sie wurde auch als Schaufrucht geschätzt. Die dünne, glatte, glänzende Schale geht von Gelblichgrün zu Grünlichgelb bis Gelb, die Deckfarbe ist mehr oder weniger orangerot verwaschen, stellenweise streifig; verstreute Rostflecken und Berostung um den Stiel treten auf. Der Kelch ist halboffen bis offen und liegt in einer weiten, meist flachen, beulig umrandeten Grube; der kurze, dicke, oft durch Fleischwülste seitlich gedrückte Stiel trägt stielseits eine kleine Rostkappe. Das kleine Kernhaus hat geschlossene Achse und teils taube Kerne. Die Sorte wurde 1852 vom Lyoner Baumschuler F. Morel ausgesät; der genetische Fingerprint bestätigt Williams Christ als Elternteil, nicht jedoch die Herzogin von Angoulême, die früher ebenfalls als Elternsorte angenommen wurde. Nach den ersten Früchten 1862/63 kam sie 1867 in den Handel und erhielt nach dem Internationalen Pomologenkongress in Paris den Namen „Souvenir du Congrès“; 1869 beschrieb Eduard Lucas sie in den Pomologischen Monatsheften als „Andenken an den Kongress“. Lange gehörte sie zum Standardsortiment und findet sich entsprechend noch in älteren Streuobstbeständen; das Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt führt sie als Standardsorte, und sie ist weiterhin in Baumschulen erhältlich. Ähnlich und zu verwechseln ist Margarete Marillat, deren Früchte meist länger sind, keinen so tief sitzenden Bauch haben und deren Stiel fast stets mindestens 90° seitgedrückt ist. Zu den literarischen Belegen zählen Oberdiecks Illustrirtes Handbuch der Obstkunde, Supplement Birnen, Nr. 690 (1879), die Pomologie de la France (1871, Tafel 162), Deutschlands Obstsorten (1905–1934, Lieferung 6, Nr. 64) sowie Petzolds Birnensorten (1982, S. 132). Die Beschreibung beruht im Wesentlichen auf dem Sortenporträt des Erhalternetzwerks Obstsortenvielfalt (Pomologen-Verein), dem Arche-Noah-Datenblatt im Austria-Forum und dem Steckbrief des Bergischen Streuobstwiesenvereins.
Quellen: Andenken an den Kongreß · Kongressbirne · Kongressbirne (Andenken an den Kongress)
Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (stealth/ox-alpha + stealth/ox-alpha, 2026-08-23). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.
Ein beeindruckendes über 100-jähriges Spalierexemplar steht in Binsfeld, Gemeinde Weiswampach, Luxembourg. Die Früchte bestechen durch Größe und ausgesprochen freundliche Färbung, aber etwas beulig. Schmeckt aber nur so lala ("Schaufrucht"). Ernte Anfang bis Mitte September; fallen bei Reife leicht vom Baum. Sollte bis Anfang Oktober verbraucht sein. Tafelobst als auch zur Verarbeitung. Wächst in der Jugend mittelstark. Braucht wegen der schweren Früchte Schnitt. Bildet mittelgroße, hochgebaute Kronen. Dominierende Stammverlängerung und abkippende Seitenäste. Ertragseintritt relativ früh und wenig alternierend. Blüte mittelfrüh und kurz. Ehr für Hausgarten und Spalier anstatt für die Streuobstwiese. (Äpfel und Birnen aus Luxembourg)