Apfel · Malus domestica Archiv pkmttmc1qr ↗ Verlauf
Die 1860 in der Wilhelma bei Stuttgart bekannt gewordene Sorte Herzogin Olga ist ein Frühapfel, der bereits von Mitte bis Ende August geerntet wird und sich bis Mitte September direkt aus der Ernte heraus genießen lässt. Ihre Stärken liegen weniger im Tafelobst als in der Küche und der Kelferei: Sie eignet sich besonders gut für Mus, Kompott, Most und als Brennobst. Zugleich gilt die Sorte als frosthart und fand auch als Unterlage oder Stammbildner Verwendung – ein Wirtschaftsapfel, der für den reinen Frischverzehr aber nicht gezüchtet wurde.
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Der Baum wächst in der Jugend besonders kräftig und bildet in der Baumschule schöne Stämme; der erwachsene Baum wird hoch und breitkronig und gilt als stark wüchsig und robust (naturaDB beziffert ihn auf 5–6 m Höhe und rund 6 m Breite). Die Äste sind reichlich mit Fruchtholz garniert; nach dem Aufbau der Krone ist nur wenig Pflege nötig, hin und wieder Auslichtungsschnitte. Als geeignete Baumformen werden vorwiegend Hoch- und Halbstamm genannt, das Porträt der Frankenalb-Projekts beschreibt ihn als interessante Frühsorte für die Obstwiese. Deutsch-österreichische Quellen nennen ihn widerstandsfähig gegen Schorf, nur leicht moniliaanfällig und auf geeigneten Standorten problemlos und gesund; das Schweizer Sortenblatt zum dort als Synonym geführten Nürensdorfer bewertet die Sorte dagegen als stark schorfanfällig, mittelmehltauempfindlich und im Triebtest feuerbrandanfällig. Der Ertrag setzt früh ein, oft schon im 4. Jahr nach der Pflanzung; die Sorte trägt alljährlich, in späteren Jahren sehr reich, ohne großen Pflegeaufwand und ohne sich zu erschöpfen (naturaDB: mittelhoch und regelmäßig). Die Blüte ist mittelfrüh bzw. früh bis mittel, weiß, April bis Mai; der Baum wird als guter Pollenspender beschrieben. An den Standort stellt er keine besonderen Ansprüche an Boden und Klima; aus dem Weinviertel wird berichtet, dass er dort problemlos und sehr gut gedeiht, während in raueren Lagen der Säuregehalt ungünstiger Jahre vermutlich zusätzlich zunimmt — die ARCHE-NOAH-Obstberatung führt ihn entsprechend unter den robusten Sorten für warme Lagen (Genusszeitraum VII–IX). naturaDB gibt einen sonnigen bis halbschattigen Platz mit durchlässigem bis humosem, frischem, nährstoffreichem Boden an und stuft den Baum als gut frosthart (bis −28 °C).
Das grünlichweiße, feinzellige, mittelharte Fruchtfleisch ist saftig, hat eine kräftige, aber sehr angenehme Säure, ist nicht süß und nur schwach gewürzt; der Geruch ist deutlich, Geruch und Geschmack ähneln dem Klarapfel. Die Sorte eignet sich als guter Tafel- und sehr guter Wirtschaftsapfel, auch als Brennfrucht; das LWG-Sortenschild führt sie als Wirtschafts- und Mostapfel und Frühapfel für Küche und Apfelmus, FRUCTUS als Most- und Kochapfel, naturaDB bewertet die Eignung zum Mosten als sehr gut. Die Pflückreife fällt in die Mitte/Ende August, die Genussreife folgt sofort und dauert etwa drei Wochen bzw. bis September; fehlerlose Früchte halten im guten Naturkeller bis Ende September/Anfang Oktober und bleiben wegen der angenehmen Säure auch geschmacklich auf der Höhe, im Kühllager sind sie bis September lagerbar.
Die Frucht ist mittelgroß, 49–57 mm hoch (selten bis 61,5 mm) und 53–67 mm breit (selten bis 69,5 mm; FRUCTUS: 58 × 66 mm), kugelig-konisch, ziemlich regelmäßig gebaut und stielbauchig, mit teils schwach ausgeprägten, die halbe Frucht überziehenden Rippen. Die glatte, leicht weißlich beduftete Schale bleibt mit ihrer grünen, später gelblichgrünen Grundfarbe weitgehend ohne Deckfarbe; sonnenseits zeigt sie allenfalls den typischen kleinen, blaßrosaroten bis braunrosaroten, verwaschenen Fleck, dazu zahlreiche weiße Lentizellenaufhellungen; Berostung ist selten, der Kelch geschlossen, der holzige, 16–34 mm lange Stiel oft knospig. Das relativ kleine, mittelständische Kernhaus enthält ovale, hellbraun werdende Kerne mit ausgezogener Spitze. Der Baum wird leicht mit dem Weißen Klarapfel verwechselt (Synonym „Später Klarapfel“, weitere Namen Olgaapfel, Zitronenapfel). Die Sorte wurde 1860 vom Hofgärtner Johann Baptist Müller an der Wilhelma bei Stuttgart aus Samen gezogen und zu Ehren von Olga Nikolajewna Romanowa, der Gemahlin des späteren Königs Karl I. von Württemberg, benannt; 1879 brachte der Stuttgarter Baumschulbesitzer Gaucher sie in den Handel, 1883 führte sie Lauche im Ergänzungsband zum Illustrierten Handbuch der Obstkunde, und 1893 erwähnte sie A. C. Rosenthal im „Pomologischen Handbuch für NÖ“, wo es damals schon Ertragsbäume gab. Ihr Schwerpunkt liegt in Baden-Württemberg; in der Deutschschweiz wurde sie bei der Inventarisierung unter dem Namen „Nürensdorfer“ gefunden. Die Beschreibung beruht vor allem auf dem ARCHE-NOAH-Obstsortenblatt sowie den Porträts von FRUCTUS/Agroscope, der LWG Bayern und dem Projekt 1000 Obstbäume für die Frankenalb.
Quellen: ARCHE NOAH Obstsortenblatt: Herzogin Olga Apfel (PDF) · Austria-Forum Heimatlexikon: Herzogin Olga Apfel · LWG Bayern – Sortenschilder Apfel (PDF, gehostet bei streuobst-in-bayern.de) · FRUCTUS: Nürensdorfer (Synonym Herzogin Olga) · 1000 Obstbäume für die Frankenalb: Herzogin Olga · naturaDB: Apfel 'Herzogin Olga' · Stadt Reutlingen: 23. Herzogin Olga · Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt – Akzession A-21545 Herzogin Olga · Naturschutzgebiet Buchleite: Obstsorte Herzogin Olga
Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (anthropic/claude-opus-5 + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-09-01). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.