Birne · Pyrus communis Archiv rd1ndjqtsw ↗ Verlauf
Die Veldenzer ist eine seit 1801 nachgewiesene Birne aus Südwestdeutschland, die von der Vorderpfalz über Kraichgau und Baden bis Franken, Elsass und Mosel verbreitet war. Der Baum wächst stark mit schmalen, aufstrebenden Kronen und wird als langlebig beschrieben; wegen dieses schlanken, hohen Wuchses wurde sie für die Pflanzung entlang von Straßen und Wegen empfohlen. Geerntet wird Anfang bis Mitte Oktober, genussreif wird die Frucht aber erst ab Oktober und hält sich bis Januar — der volkstümliche Name "Faulenzer" bezieht sich auf das späte Reifen. Als gute Koch-, Dörr- und Brennbirne eignet sie sich vor allem für Mus und Kompott.
Tafelobst Wirtschaftsobst Mostobst Dörrobst Brennobst
Synonyme: Faulenzer, Fellenzer, Große Winterrusselet, Schmeelbeer, Schmehlbirne, Schmittbirne, Winter Frankfurter
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| Baum | treedoc-ID | Bongert | Position | Pflanzjahr | Karte |
|---|---|---|---|---|---|
| iGRYYMU | Sortenerhaltungskultur Bergheimer Dreieck | F07 | 2023 | Karte |
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Die Veldenzer ist eine starkwüchsige, hoch werdende Birne mit aufstrebenden, schlanken Kronen; in der Jugend sind viele dicht verzweigende, steil abstehende Seitenäste typisch, unter dem bald einsetzenden Fruchtbehang lässt die Wuchskraft nach und es entstehen mittelgroße, hochkugelige, sehr dicht gewachsene Kronen (nach H.-J. Bannier). Die Blüte erscheint mittelspät, mit neun Blüten pro Knospe. Der Ertrag setzt früh ein, ist reichlich und nach mehreren historischen Beobachtungen ziemlich regelmäßig; in neueren Beständen fällt er regelmäßig und teils überreich aus, bei Volltragen können Äste brechen — die Früchte hängen windfest am Baum. Die Sorte ist hinsichtlich Boden und Standort breit anbaufähig (auch für sandige Böden angegeben) und wird als sehr gut geeignet für Streuobstwiese und extensiven Obstbau beschrieben; historisch empfahl man sie auch für die Pflanzung an Straßen und Chausseen, weil die Früchte am Baum roh ungenießbar sind. Die Angaben zu Gesundheit und Lebensdauer widersprechen sich: Nach neueren rheinischen Beobachtungen ist die Sorte robust gegenüber Birnenschorf und sonstigen Krankheiten, das Laub sehr gesund; die ältere Literatur (um 1930) meldet dagegen starken und häufigen Schorf sowie früh kränkelnde, spitzendürre und krebsige Bäume ohne hohes Alter, vermutet aber lokale Verhältnisse. Aus Meiningen ist überliefert, dass die Sorte den Extremwinter 1855/56 mit 26 °R Kälte nicht überstand und der Baum völlig erfror.
Die am Baum baumreif harte Frucht ist roh ungenießbar und 'nicht angrifflisch' — sie lädt erst nach längerer Lagerung zum Verzehr ein. Geerntet wird je nach Quelle und Lage von Ende September bis Ende Oktober, überwiegend Anfang bis Mitte Oktober. In der Lagerung wird das feste, feinkörnige, anfangs herbe und leicht gerbstoffbetonte Fleisch zart, saftig, würzig und süß; das Fruchtfleisch ist grünweißlich bis weiß. Je nach Lagerbeschaffenheit bleibt die Birne bis Ende Januar genussfähig, nach anderen Angaben Dezember bis Februar bzw. in gutem Lager bis März; bei zu langer Aufbewahrung welkt sie. Historisch wird der Verbrauch als Kochbirne von Dezember bis Januar am meisten empfohlen. Die Veldenzer wurde früher in erster Linie als Wirtschaftsbirne genutzt — zum Kochen und Einmachen, Dörren (Schnitze), zur Weinbereitung/Mosterei, zum Schnitzen und zum Brennen — ist geschmacklich aber durchaus auch als Winter-Tafelbirne geeignet.
Die Frucht ist klein bis mittelgroß, birnen- bis kegelförmig, kelchbauchig, kelchseitig breit abgeflacht, zum Stiel kegelförmig scharf zuspitzend und oft nur einseitig eingeschnürt, im Querschnitt leicht unrund. Die Grundfarbe ist baumreif hell- bis olivgrün und hellt reif uneinheitlich gelblich auf; die Deckfarbe geht als orangeroter bis trüb bräunlichroter, in der Reife carminroter Hauch auf bis zu einem Drittel der Sonnenseite (teils ganz fehlend), die Lentizellen sind darin deutlich rot umhöft. Rostnetze und Rostflecken sind häufig; die Schale ist feinnarbig, dünn und fest, die Frucht bleibt auch gelagert lange hart. Der Stiel ist lang, meist gebogen, mit Fleischringeln in den Fruchtansatz übergehend und sitzt oft neben einem Fleischwulst, wodurch er schief steht; der Kelch ist offen bis halboffen, sternförmig bis hornig mit kurzen, grauen Blättchen. Das kleine Kernhaus mit geschlossener bis nur ganz leicht geöffneter Achse enthält teils gut ausgebildete, oft taube Kerne. Die Veldenzer ist eine sehr alte deutsche Birne mit unbekanntem Ursprung; ein Bezug zur Grafschaft Veldenz an der Mosel ist ungewiss, und die Identität mit Diels 'Großer Winterrusselet' bzw. der französischen 'Rousselet d'hiver' wird diskutiert, ist aber nicht endgültig geklärt. In der Pfalz (Raum Donnersberg) wurde die Sorte 1759 als 'Fellenzer' schriftlich erwähnt; Diel beschrieb sie 1801 unter 'Große Winterrusselet' (mit dem Synonym 'Faullenzer' wegen der späten Zeitigung), Metzger 1847 erstmals unter dem Namen 'Veldenzerbirne'. Weitere Namen: Faulenzer, Fellenzer, Feldenzerbirne, Schmittbirne, Schmehlbirne bzw. 'Schmeelbeer', Winter-Frankfurter. Die Sorte war in der Vorder- und Südpfalz (vor allem an Landstraßen), in Baden, Rheinbayern, im Elsass, in Mainfranken und im Nassauischen verbreitet und reichte über das Bergische Land hinaus; heute sind die Altbestände überaltert und sie gilt als vom Aussterben bedroht. 2005 war sie Pfälzer Obstbaum des Jahres und wird seither wieder vermehrt; es existieren zahlreiche Abarten von wechselnder Güte, die teils viel früher reifen. Verwechsler: 'Späte' Stuttgarter Geishirtle und Sterckmans Butterbirne. Die Beschreibung beruht auf dem Sortenporträt des Erhalternetzwerks Obstsortenvielfalt (Pomologen-Verein, Jan Bade 2024), dem Sortenkapitel bei H.-J. Bannier (LVR-Netzwerk Kulturlandschaft/Biologische Stationen Rheinland 2017), dem Genbank-Passport der Deutschen Genbank Obst, dem Porträt der Gartenakademie Rheinland-Pfalz sowie den historischen Beschreibungen im Illustrirten Handbuch der Obstkunde (1860, Nr. 236) und in 'Unsere besten Deutschen Obstsorten' (um 1930).
Quellen: Veldenzer – Erhalternetzwerk Obstsortenvielfalt (Sortenporträt) · Veldenzer – Deutsche Genbank Obst (Passport) · H.-J. Bannier u. a.: Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland – neu entdeckt! 2. Aufl., Köln 2017 · Veldenzer – in: Unsere besten Deutschen Obstsorten (Bechthold, Wiesbaden, um 1930), Tafel 32 · Die Veldenzerbirne – Illustrirtes Handbuch der Obstkunde (Jahn/Lucas/Oberdieck, 1860), Nr. 236
Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (z-ai/glm-5.3-flash + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-10-02). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.
Der Baum wächst stark, bildet aufstrebende schlanke Kronen. Das Laub ist sehr gesund. Die Blüte erscheint mittelspät mit 9 einzelnene Blüten pro Knospe.
Anbaueignung: Als sehr vielseitig verwendbare, lagerfähige Birne, sehr gut für die Streuobstwiese und den extensiven Obstbau geeignet.