Birne · Pyrus communis Archiv fhk6mqgqdc ↗ Verlauf
Die aus Schloss Dyck im Rheinland stammende Dycker Schmalzbirne ist seit 1800 bekannt und eine der lagerfähigsten Birnen: Nach acht bis vierzehn Tagen Lagerung wird das Fruchtfleisch schmelzend und genussreif, geerntet wird von Mitte September bis Anfang Oktober. Der Baum stellt hohe Ansprüche an Wärme und Standort, sein Holz ist brüchig und anfällig für Obstbaumkrebs.
Tafelobst Wirtschaftsobst Dörrobst
#Suchliste
Synonyme: Braune Schmalzbirne, Doppelte Wried, Griesbirne
Web-Suche: Wikipedia · Ecosia · DuckDuckGo · Mojeek
| Baum | treedoc-ID | Bongert | Position | Pflanzjahr | Karte |
|---|---|---|---|---|---|
| Kqa66xq | Sortenerhaltungskultur Bergheimer Dreieck | E09 | 2023 | Karte |
Keine zusätzlichen OSM-Bäume dieser Sorte im Suchradius.
Der Baum der Dycker Schmalzbirne wächst nach Bannier in der Jugend recht stark und bildet mittelgroße bis große, hochkugelige Kronen; andere Beschreibungen (J. Bade, Biologische Station im Rhein-Kreis Neuss) stufen den Wuchs als mittelstark ein. Das Holz alter Bäume ist auffallend brüchig. Die Sorte ist sehr widerstandsfähig gegen Schorf und gilt insgesamt als gesunde, robuste Lokalsorte; auf schweren Böden kann jedoch Obstbaumkrebs auftreten. An den Boden stellt sie wenig Ansprüche und ist breit anbaufähig, sie kann auch im Grasland gepflanzt werden; Bade nennt dagegen erhöhte Wärmeansprüche und empfiehlt den Anbau nur in warmen Lagen bzw. bis in Mittelgebirgslagen um 350 m. Die Blüte erscheint mittelfrüh bis mittelspät, ist groß und gegenüber Witterungseinflüssen robust, weshalb der Baum seltener als andere Sorten mit dem Ertrag aussetzt. Die Fruchtbarkeit setzt relativ früh ein, die Erträge sind hoch und regelmäßig – vom Schloss Dyck sind 750 kg pro Baum belegt, weshalb die Sorte als Massenträger galt. Sie eignet sich für Streuobst- und Wegepflanzungen; im Straberger Broich bei Dormagen wurde 2006 eine Allee aus 32 Bäumen gepflanzt. Die Sorte steht in der NRW-Vorschlagsliste alter Streuobstsorten.
Geschmacklich ist die Frucht sehr saftig und schmelzend, ohne ausgeprägte Süße und Säure, aber von eigentümlicher, sortenspezifischer Würze. Sie ist vor allem eine wertvolle Wirtschaftsbirne zum Einmachen, Dörren und für Saft; im kurzen Zeitfenster der Genussreife ist sie durchaus auch als Tafelbirne zu genießen, für den Handel als Tafelobst kommt sie wegen der geringen Haltbarkeit heute kaum in Betracht. Die Pflückreife liegt im harten Zustand etwa Mitte September, kurz vor der Köstlichen von Charneux; nach etwa 8 bis 14 Tagen Lagerung wird die Frucht schmelzend und genussreif, ist dann aber nur noch einige Tage haltbar. Die Ernte muss daher zügig, innerhalb von ein bis zwei Wochen, verarbeitet werden – der wesentliche Nachteil der Sorte.
Die Früchte sind mittelgroß bis groß, variabel birnenförmig oder kegelförmig-gedrungen, seltener flaschenförmig, im Querschnitt unregelmäßig rundlich und kelchseitig zum Teil leicht kantig. Fast die ganze Frucht ist gleichmäßig berostet: am Baum düster grünlich-braun, einige Tage nach der Ernte typisch goldbronzefarben bis zimtbraun aufhellend, sonnenseits mitunter mit einem Anflug von Kupferröte; die Schalenpunkte sind auffallend hell und relativ groß. Die Kelchgrube ist meist flach mit mittelgroßem, halboffenem Kelch, die Stielgrube eng und flach oder fehlend, der Stiel sehr variabel in Länge und mitteldick bis dick. Das Fruchtfleisch ist beige-weiß, nach einigen Tagen schmelzend, um Kelchhöhle und Kernhaus etwas steinzellig; die Kerne sind meist zahlreich, relativ groß und kirschholzbraun. Als Verwechsler gelten Madame Verte (hält deutlich länger), Gellerts Butterbirne, evtl. Gräling und Bosc's Flaschenbirne. Die genaue Herkunft ist unbekannt: nach Adam Schipper, in den 1930er Jahren Hofgartendirektor auf Schloss Dyck (Rhein-Kreis Neuss), wurde die Sorte dort seit etwa 1800 als "Braune Schmalzbirne" kultiviert und von ihm in Dycker Schmalzbirne umbenannt; sie gehörte vermutlich zu den Sorten, die Fürst Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck um 1800 zu Versuchszwecken anpflanzen ließ, deren Reiser auch aus Frankreich, Belgien und den Niederlanden stammten, so dass ein älterer Ursprung wahrscheinlich ist. Nach 1900 war sie im Raum Grevenbroich zeitweise die meistangebaute Birnensorte und wurde bis in die 1960er Jahre auf Wochenmärkten zwischen Mönchengladbach, Neuss und Grevenbroich verkauft; im östlichen Westfalen ist sie seit alters her als Griesbirne bekannt, im Norden Deutschlands als Doppelte Wried. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts war sie auf drei Altbäume zusammengeschmolzen, von denen aus die Biologische Station im Rhein-Kreis Neuss die Sorte wieder vermehrte; sie gilt als stark gefährdet. Beschrieben u. a. bei H.-J. Bannier ("Alte Obstsorten – neu entdeckt für Westfalen und Lippe", Bielefeld 2008; Sortenporträt obstsortenerhalt.de 2015), im LVR-Handbuch "Lokale und regionale Obstsorten im Rheinland" und bei J. Bade (Bergischer Streuobstwiesenverein).
Quellen: Dycker Schmalzbirne – obstsortenerhalt.de (Sortenporträt H.-J. Bannier, 2015) · Dycker Schmalzbirne – Bergischer Streuobstwiesenverein (Sortenbeschreibung J. Bade) · Regionale Obstsorten im Rheinland: Dycker Schmalzbirne (LVR-Netzwerk Umwelt / Biologische Stationen im Rheinland, 2013) · Dycker Schmalzbirne – Biologische Station im Rhein-Kreis Neuss e.V. · Dycker Schmalzbirne – Wikipedia · Sortenliste zu H.-J. Bannier: Alte Obstsorten – neu entdeckt für Westfalen und Lippe (Bielefeld 2008) · Sortenliste: Stiftung Ravensberg (Hrsg.), Empfehlenswerte Streuobstsorten für Ostwestfalen-Lippe (Kirchlengern 2000) · Oberdieck: Braune Schmalzbirne (Illustriertes Handbuch der Obstkunde, Nr. 381)
Automatisch aus den genannten Quellen erstellt (anthropic/claude-opus-5 + anthropic/claude-haiku-4-5, 2026-08-31). Die Zuverlässigkeit ist etwa so wie die eines Wanderers, der an der Streuobstwiese vorbeikommt. Kann stimmen, kann aber auch totaler Unsinn sein.
Auch bei: Bergischer Streuobstwiesenverein · Wikipedia (de)
Gefunden über das Wikidata-Objekt und die Wikipedia-Artikel. Die Bilder liegen bei Wikimedia Commons; Rechte und Bedingungen stehen auf der jeweiligen Dateiseite.